Rios Erzdiözese soll Millionen verschleudert haben

Rio de Janeiro, (Kipa) Die Erzdiözese Rio de Janeiro soll Millionenbeträge für den Kauf von Luxusgütern ausgegeben haben, während gleichzeitig Angestellte aus Kostengründen entlassen wurden. Wie die brasilianische Presse am Donnerstag, 14. Mai, berichtete, wird derzeit der Verbleib von umgerechnet 2,6 Millionen Franken untersucht, die allein im Monat April zum Ankauf eines Luxusapartments und von Designermöbeln ausgegeben worden seien.

Ein 500 Quadratmeter grosses und knapp 1,2 Millionen Franken teures Apartment in Rios nobler Südzone sollte nach Angaben der Zeitungen von dem ehemaligen Erzbischof Eusebio Oscar Scheid bezogen werden. Der Kardinal war zu Jahresbeginn aus Altersgründen von seinem Amt zurückgetreten, das er seit 2001 innehatte.

Sein Nachfolger als Erzbischof, Orani Joao Tempesta, hatte Anfang Mai den unter Scheid für die Finanzverwaltung zuständigen Pater Edvino Alexandre Steckel von seinem Amt enthoben. Der neue Finanzverwalter Abilio Ferreira da Nova, der das Amt bereits bis Anfang 2008 innehatte, soll nun laut Presse Ausgaben von insgesamt 7,65 Millionen Franken untersuchen, die in den vergangenen 16 Monaten unter Steckel getätigt worden seien.

Designermöbel und gepanzerte Fahrzeuge

Ausser dem Luxusapartment hatte Steckel den Berichten zufolge drei gepanzerte Fahrzeuge und Designermöbel anschaffen lassen. «Das ist eine Beleidigung des Volkes Gottes», sagte der neue Finanzchef Abilio der Zeitung «O Estado de S. Paulo». Es handele sich um «eine wahrhaftige Verschwendung».

Erst im Juni 2008 wurde unter der Leitung von Scheid und Steckel eine Umstrukturierung zur Kostensenkung durchgeführt und 67 Angestellte der Erzdiözese entlassen. Sechs von ihnen wurden laut Bericht nun wieder eingestellt. Allerdings sei angesichts der von Steckel hinterlassenen leeren Kassen derzeit die Bezahlung der verbliebenen 200 Angestellten nicht gesichert, so Abilio.

«Mit leeren Kassen»

Rios Stadtverwaltung hatte erst Ende März 2,7 Millionen Franken an die Erzdiözese überwiesen: «Das Unglaubliche ist, dass wir jetzt mit leeren Kassen dastehen», so Abilio, der seinem Nachfolger Steckel nach eigenen Angaben Anfang 2008 ein Plus von 4,2 Millionen Franken überlassen hatte. «Selbst um die Angestellten zu bezahlen, ist es kritisch, und wir werden auf Spenden angewiesen sein», wird er zitiert. Sowohl der ehemalige Erzbischof Scheid wie sein Nachfolger Orani Tempesta haben sich bislang nicht zu den Vorgängen geäussert.

(kipa/b/ak)

15 mai 2009 | 14:11
par webmaster@kath.ch
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